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Erben übernehmen als Gesamtrechtsnachfolger des Erblassers dessen Schulden und haften für sie grundsätzlich nicht nur mit dem Nachlass, sondern auch mit ihrem eigenen Vermögen (§ 1967 Abs. 1 BGB). Allerdings gibt es Möglichkeiten, die Haftung für Verbindlichkeiten des Erblassers auf den Nachlass zu beschränken. Das wissen aber die wenigsten Erben, ebenso wenig wie, ob die Aktiva des Nachlasses ausreichen, um dessen Verbindlichkeiten zu decken. Deshalb sind sie im Zweifel geneigt, voreilig innerhalb der gesetzlichen Frist die Erbschaft auszuschlagen und vergeben sich dadurch die Chance auf einen eventuellen Vermögensüberschuss.

Als Haftungsbegrenzung kommt unter anderem die sog. Nachlassverwaltung in Betracht. Sie wird auf Antrag der Erben vom Nachlassgericht angeordnet. Der Antrag kann auch nach Ablauf der Ausschlagungsfrist gestellt werden. Miterben können den Antrag nur gemeinschaftlich stellen. Trotz gestellten Antrags haften die Erben unbeschränkt, wenn sie eine vom Nachlassgericht gesetzte Frist zur Erstellung eines Nachlassverzeichnisses verstreichen lassen (§ 1994 Abs. 1 S. 2 BGB) oder das Verzeichnis in erheblichem Maße fehlerhaft ist (§ 2005 Abs. 1 BGB) oder sie auf Antrag eines Nachlassgläubigers die Richtigkeit des erstellten Verzeichnisses nicht an Eides statt versichern (§ 2006 Abs. 3 BGB).

Ziel der Nachlassverwaltung ist die möglichst vollständige Tilgung der Nachlassverbindlichkeiten. Das ist die Aufgabe eines vom Nachlassgericht zu bestellenden Nachlassverwalters. Voraussetzung ist, dass das vorhandene Nachlassvermögen die voraussichtlichen Kosten der Nachlassverwaltung deckt. Bestehende Zweifel können durch einen entsprechenden Kostenvorschuss beseitigt werden. Mit der Anordnung der Nachlassverwaltung geht das Recht der Erben auf den Verwalter über, den Nachlass zu verwalten und über ihn zu verfügen.

Die Anordnung der Nachlassverwaltung bewirkt eine Trennung des Nachlasses und des eigenen Vermögens der Erben. Die Erben werden selbst Nachlassgläubiger und können ihre gegen den Erblasser bestehenden Forderungen beim Nachlassverwalter geltend machen. Soweit der Nachlass zur Tilgung der Nachlassverbindlichkeiten nicht ausreicht, ist eine Haftung der Erben ausgeschlossen. Ein eventueller Überschuss wird an die Erben ausgekehrt.